Märzmomente: (m)ein Monatsrückblick

Tschüß März, du sehr spezieller Monat. Ich glaube, Dein Drehbuch hätte keiner von uns in dieser Dramatik schreiben können, und ich suche immer noch manchmal verzweifelt nach der Reset-Taste.
Aber selbst wenn: Was hätten wir eigentlich aufhalten können? Was anders machen?
Tschüß März, du Monat voller Fragen, Sorgen aber auch so viel kleiner Freuden. Du zeigst uns jeden Tag mit brutaler Realität, was das Wesentliche in unserem Leben ist und worauf es jetzt zu fokussieren gilt.
Tschüß März, Du Monat der abgesagten, nicht-gemachten aber auch gleichzeitig der neu-entdeckten Sachen.
Tschüß März, du Monat, der so erschreckend anders ist als alles, was wir uns je vorstellen Konnten.

Ein kurzer Rückblick. Here we go.

# Corontäne oder „the big C“

#lifeintimesofcorona: Was tun, um das Beste aus der Situation zu machen-darüber habe ich vor zwei Wochen hier gebloggt. Als anfänglich alles noch ein wenig Retreat-Charakter hatte und wir uns fröhlich via Google-Hangout zugeprostet haben. Inzwischen kommen die Einschläge dichter, täglich werden wir mit neuen Horrormeldungen und -bildern bombardiert und die Massnahmen zur Eindämmung des Virus sind rigide. Die Ängste nicht länger diffus, sondern erschreckend real.

Zum Glück haben wir in Schleswig-Holstein (bisher) lediglich eine Ausgangsbeschränkung und noch keine komplette Ausgangssperre wie anderswo.
Trotzdem: Selbst wenn die K-Frage geklärt ist – einfachste Dinge des täglichen Lebens werden plötzlich zu großen Herausforderungen (wie fummel‘ ich die EC-Karte aus der Brieftasche heraus, wenn ich mit Handschuhen einkaufen gehe, was mache ich mir den Einkäufen-darf ich die überhaupt einfach so in den Kühlschrank stellen und was muss ich außer Händen, Handy, Lenkrad noch alles desinfizieren?). Und auch die soziale Distanz macht mir auf Dauer doch mehr zu schaffen, als ich vorher gedacht hätte.

Inzwischen haben wir den Dreh‘ zwar so einigermaßen raus. „Groß“–Einkauf einmal die Woche, vorher die Einkaufswünsche von Vater und Schwiegereltern sammeln, alles verteilen und dann aufpassen, dass nicht an Tag 2 schon die Hälfte der Schokivorräte auf wundersame Weise verschwunden ist.
Aber in solchen Situationen offenbart sich ja auch die Flexibilität unseres menschlichen Wesens und Improvisieren heißt das Zauberwort. Warum dann also nicht gleich aus der Not eine Tugend machen, äh eine Challenge machen? Meine heißt momentan „Lerne die Tiefen Deiner Küchenschränke kennen!“- und ihr ahnt gar nicht, WAS da alles drin schlummert, und woraus man immer noch eine Mahlzeit auf den Tisch zaubern kann.
Ein Ergebnis meiner neugewonnenen Küchen-Kreativität präsentiere ich Euch vielleicht die nächsten Tage mal hier auf dem Blog.

Wir sind gewohnt, dass alles immer und möglichst sofort zugänglich ist. Sich hier jetzt mal einzuschränken & die Ansprüche ein wenig herunterzuschrauben, finde ich sogar ganz heilsam.

Ein Dilemma bleibt allerdings. Und zwar mein abgesagter Friseurtermin. First World Problems, I know. Aber wundert Euch nicht, wenn Euch irgendwann „DANACH“ auf der Straße eine fremde grauhaarige Frau anspricht. It’s me! An Selbstfärben trau‘ ich mich nämlich nicht ran.

#Mallorca: Lazy auf der Lieblingsinsel

Auch wenn es sich grade anfühlt, wie in einem anderen Leben: Wir waren Anfang März tatsächlich noch ein paar Tage auf Mallorca. Im Nachhinein undenkbar und hätten wir gewusst, was drei Tage später in Europa abgeht, wären wir natürlich NIEMALS gefahren. Und während wir also auf Mallorca in einem Strandhäuschen irgendwo an der Nordküste und in unserer eigenen kleinen Blase so vor uns hingedümpelt sind, Sonne, Strand und Wellen sowie den abendlichen Sundowner in der Strandbar genossen haben, hat das Virus sich so klammheimlich seinen WEg durch die Republik gebahnt. BÄM! Und auch wenn äußerlich noch alles unverändert schien: Mallorca bereitete sich zu dem Zeitpunkt schon auf den unvermeidlichen Shutdown vor und ich hatte noch nie in meinem Leben ein so gutes Gefühl, bzw. echtes Bedürfnis, nach Hause zu kommen.
Trotzdem haben wir die Tage genossen. Wandern & Surfen, barfuß am Strand und mit dem Geruch von Sonne auf der Haut. Und im Rückblick schätze ich diese geschenkten Tage vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.
Wann können wir das nächste Mal diese Freiheit genießen? Unbeschwert Urlaub machen? Pläne schmieden?
Ich glaube ja fest daran. An die Zeit „danach“ und die Leichtigkeit. Deswegen werde ich Euch auch auf dem Blog in den nächsten Tagen auch nochmal auf die Lieblingsinsel „entführen“ und vielleicht träumen wir dann gemeinsam. Von Sonne, Strand und vom Leben nach „the big C“.

#Personal Growing oder „Geh‘ dahin, wo Deine Freude ist“

Ok, ich gebe zu, dass sich das auf den ersten Blick etwas seltsam anhört. In einer Zeit, wo man ja nun grade mal eben nicht irgendwohin gehen kann darf. Freunde treffen, zum Workout ins Fitnessstudio oder mal eben Bummeln & Käffchen auf der Holti. Ende, aus, abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben. Das tägliche Leben als Escape Room, nur dass man die Lösung nicht selber in der Hand hat und bisher auch niemand vorhersagen kann, wann sich die Tür wieder öffnet.
Da wo keine Distraktion im Außen möglich ist, sind wir gezwungen, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Selbstreflexion: Uns immer wieder aufs Neue die Frage zu stellen: Was ist mir wichtig? Wofür stehe ich bzw. wofür möchte ich stehen? Was macht mich eigentlich glücklich? Bei mir ist es momentan tatsächlich das Schreiben, das Arbeiten mit Bildern und Fotos und die Verbesserung meiner technischen Skills.
Außerdem Familie, Freunde und mein Sport: auf diesem Wege schonmal ein dickes Dankeschön an das beste Fitnessstudio der Welt. Dank Eurer Videos habe ich nämlich noch nie so regelmässig Sport gemacht wie jetzt grade …*hüstel
Einen wichtigen Anstoß hat mir Anfang des Monats übrigens ein Mindvalley- Seminar in Hamburg gegeben, an dem ich das Glück hatte, teilnehmen zu können. Sehr gespannt, aber noch nicht im Entferntesten ahnend, wie mich diese Tools im momentanen Alltag tragen und mir bei dem Versuch helfen, immer wieder ins Vertrauen zu kommen.

Und sonst so?

#Knitting

Ich habe tatsächlich angefangen, einen Pullover zu stricken! Zwar noch nicht den gewünschten Isländer, aber immerhin meinen ersten seit über 30 Jahren und den allerersten, der topdown gestrickt wird. Die Anleitung für den Ratz-Fatz-Sweater stammt übrigens von meiner Freundin Claudia aka reetselig und Ihr findet sie demnächst auf Ravelry.

#50 books challenge


Auch wenn ich mich immer wieder wundere, wie schnell meine Tage trotz allem verfliegen: Ich habe wirklich viel gelesen und mein Bücherstapel auf dem Nachttisch ist um mindestens drei Bücher geschrumpft. Wie gut, dass unsere kleine Buchhandlung im Ort auf Zuruf weiterhin verkaufen kann und so für Nachschub gesorgt ist: das Einzige was wegfällt (und was ich sonst gerne mache), ist mich direkt vor Ort inspirieren zu lassen. Wie macht Ihr das? Wo holt Ihr Euch Anregungen für neue Bücher? Habt Ihr vielleicht Lesetipps für mich?

#Carpe Corona- enjoy the little things

Die erzwungene Entschleunigung schärft aber auch den Blick für die kleinen Freuden: Lange habe ich mich nicht mehr so gefreut über blühende Kirschbäume, einen spontanen Anruf einer alten Freundin, frische Tulpen auf dem Tisch, darüber, ein schönes Zuhause zu haben und die allerbeste Familie. Auch wenn der Kontakt untereinander momentan über andere Wege läuft.
Es sind die kleinen Momente, die plötzlich bedeutsam werden: auf der (frisch gemalten, by the way – und solch plötzlichen Kreativitätsschübe sind übrigens auch ein dankbares Abfallprodukt der erzwungenen neuen Häuslichkeit) Terrasse mit einem leckeren Getränk die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen. Die Stille zu genießen auf der morgendlichen Hunderunde. Und sich immer wieder zu sagen, dass es einem – trotz allem- noch ganz schön gut geht.

Ausblick: April – und jetzt?

Meine größte Herausforderung ist die Unplanbarkeit. Ich liebe Strukturen, Pläne und mag es tatsächlich, im Vorhinein zu wissen, was in den nächsten Tage, Wochen und Monate so passiert. Und jetzt? Only time will tell…
Deswegen kreisen auch die Gedanken: Was ist eigentlich, wenn der shutdown im April tatsächlich beendet ist? Ist unsere Welt noch die Gleiche? Und fast noch wichtiger: Sind WIR noch die Gleichen? Welche Prozesse haben sich in uns, in unserer Gesellschaft abgespielt und wie wollen/werden wir unsere neugewonnene Freiheit nutzen?
Denn Corona hat uns nochmal deutlichst vor Augen geführt, welche Schattenseite in der extremen Globalisierung liegen- können/wollen wir wirklich so weitermachen? Uns auf der anderen Seite aber auch ein sehr wertvolles Geschenk an die Hand gegeben, nämlich die Erfahrung, zu wieviel Solidarität und Füreinander wir in Krisenzeiten fähig sind.

Manchmal wünsche ich mir, mit meinen Gedanken ein, zwei Jahre in die Zukunft zu fliegen, und irgendwann vielleicht mit einem Lächeln zurückzublicken auf dieses surreale Szenario. Wißt Ihr noch damals, als wir nix Besseres zu tun hatten, als Klopapier zu horten? Aber es gibt auch andere Gedankenschleifen. Und dann bin ich heilfroh, dass wir eben nicht in die Zukunft schauen können, sondern von Tag zu Tag neu gucken, entscheiden und bewerten müssen. Fahren auf Sicht, ein Schritt mach dem Anderen. Einatmen. Ausatmen. Sein. Und den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren. That’s the way.

See you in April, hoffentlich gesund, munter & in aller Frische.
Und vielleicht haben wir dann auch Antworten auf die vielen Fragen, die uns der März hinterlässt.

Britta

5 Kommentare bei „Märzmomente: (m)ein Monatsrückblick“

  1. Schön geschrieben! Ich hätte gerne ein paar Buechertipps, was liest du gerade/hast du schon gelesen, das du empfehlen kannst?

    LG und passt auf euch auf!
    /Lisa

    1. Hallo Lisa, ich danke Dir! Bücherliste schicke ich Dir gleich per Mail. Und passt Ihr bitte auch auf! Finde wenn man die Nachrichten so hört, macht einem der lockere Umgang mit COVID-a9 in Schweden doch ein bisschen Sorge …

  2. Ach Britta,

    *lach* das mit dem grau ist doch ok. 👍 Innerlich musste ich ja bei dem geschriebenen lachen. Da ich seit November 2019 meine Haare nicht mehr färbe. Bei einem Event wo wir mit Bekannten waren und deren Frau die Farbe auch rauswachsen lies und einen tollen Kurzhaarschnitt mit Ihren grauen Haaren hatte. Sage ich nur wow und mein Göga meinte, von mir aus brauchst Du nicht zu färben. Perplex stand ich da… Seit dem versuche ich es. Was mir jetzt natürlich zu gute kommt. Sollten wir uns in 2020 sehen, … siehste dann ja.
    *
    Ja, heile Welt blase. Auf Usedom in meiner Reha, hörte man ja dies und das und das war ja dann alles noch ganz weit weg und drei Tage nach meiner Reha waren wir noch auf einem 50 Geburtstag und dann kam der große knall. Aus heutiger Sicht. puh, man hätte schon gar nicht mehr zu der Feier gehen sollen. Aber wie das so ist.
    *
    Unsere Kühltruhen erfreuen sich jetzt auch des Mehrfahren Anblicks, den ich denen jetzt würdige. Weil ich Gemüse gefroren kaufe. Teilweise frisch und da wir auch den Großeinkauf einmal in der Woche handhaben. So ist immer etwas da.
    *
    Ich fahre oder darf glücklicher Weise noch zur Arbeit fahren. Theoretisch könnte ich jeden Tag einkaufen. Aber das möchte ich nicht. Da ist die Gefahr des ansteckens um so größer.

    Liebe Grüße
    Elke

  3. Hi Britta,
    Du bist gefärbt???
    Grau ist übrigens das neue Blond!
    Liebe Grüße von
    Bee

    1. nennen wir es mal gesträhnt. und noch ist auch ales im grünen Bereich… schöne Ostern & liebe Grüße, Britta

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