Tasche mit Suchtfaktor: meine neue Jacktar-Bag!

Mit Taschen ist es -zumindest  bei  mir- ja ein bisschen wie mit Kissen, Sneakern, Schälchen und noch so einigen anderen Dingen: man hat definitiv nie genug!
Und deswegen lösen neue Taschen-Schnittmuster bei mir auch sofort diesen ganz gewissen „Haben-Wollen“-Reflex aus.
Man braucht anders als bei Klamotten nicht so auf exakte Größen bzw. Passform zu achten, kann besser improvisieren und genäht wird meist auch aus einem etwas robusteren Stoff.
Alles Dinge, die mir persönlich sehr liegen.

Also, wie Ihr merkt, ich nähe gerne Taschen, sehr gerne sogar.

So war es auch bei der Jacktar-Bag von  Merchant and Mills Liebe auf den ersten Blick:  ein extrem lässiger Schnitt, groß und geräumig für all das, was man Frau täglich mit sich rumschleppt und als ultimatives Überzeugungsargument auch noch aus dem coolsten Material ever:

einem sogenannten“dry Oilskin“, einem beschichteten Stoff, mit unfassbar toller Haptik und dem man schon auf den ersten Blick ansieht, dass er mit der Zeit (hoffentlich) immer besser wird.

Ausserdem gibt’s ihn in sooo tollen Farben, dass eine Entscheidung echt schwer fällt.
Auch wenn für mich sehr schnell feststand, dass ich zum Sommer DRINGEND eine gelbe Tasche brauche, bin ich mit den mit den anderen Farben noch lange nicht durch.

Sowohl Stoff als auch Schnittmuster und das komplette Hardware-Kit (Lederriemen, Nieten, Magnetverschluß und 2 D-Ringe) habe ich bei 1000 Stoff bestellt. Supernetter Kontakt  (danke, Lara für deine nette Beratung!), unkompliziert und man hat mit einem Klick dann auch wirklich alles auf dem Tisch, was man braucht und kann sofort loslegen.
(wenn man dann auch über den Futterstoff nachgedacht hat. Hatte ich natürlich nicht, und hab‘ mich dann aus Bequemlichkeit für schlichtes graues Leinen aus dem heimischen Fundus entschieden.)

Nur um es kurz klarzustellen: die Tasche ist definitiv kein Schnäppchen, alles in allem ist man da schon mit +/-6o Euro Euro dabei, denn allein der Oilskin liegt schon bei  35 Euro/m.
Aber sie ist -wie ich finde- auch jeden Cent wert. Man kann sie sicher auch aus einem anderen Stoff nähen, allerdings machen meiner Meinung aber grade die Kombination aus dem Oilskin  und dem eher schlichten Schnitt die Besonderheit dieser Tasche aus.

Und -meine ganz persönliche Meinung- wenn ich schon Zeit und Mühe in ein Projekt investiere, möchte ich am Ende auch definitiv ein Lieblingsteil in der Hand haben, weswegen ich nur sehr ungern Kompromisse eingehe, was das Material angeht.

Die Anleitung ist auf englisch (Premiere für mich!), aber wirklich gut & verständlich beschrieben und bebildert. Und wenn einem wirklich mal der eine oder andere nähspezifische Fachbegriff fehlt, hab‘ ich hier kurz nachgelesen.

Vom Prinzip her ist das Schnittmuster auch sehr simpel aufgebaut, und für jemanden, der schon mal eine Tasche genäht hat, eigentlich (!) keine Herausforderung:  2 rechteckige Stücke, ein ovaler Boden, das Ganze sowohl aus Futter- als auch aus Aussenstoff, 2 Henkel und 2 Schlaufen für die Lederriemen.
Eigentlich deswegen, weil man die Schnittteile  aber schon dem jeweilis richtigen Stoff zuordnen sollte. Ihr ahnt jetzt vielleicht, was kommt…

Richtig: just in dem Moment, da ich alle (ja, und auch wirklich alle!) Teile zugeschnitten hatte, fiel mir auf, dass ich das Aussenteil leider nur in Grösse des Futterteils zugeschnitten hatte und mir damit ca 5 cm in der Höhe fehlten. So ein Sch…!  Genug Stoff für 2 neue Schnitteile hatte ich natürlich nicht, da mein Stoff ziemlich knapp bemessen (der Preis, Ihr erinnert Euch) war. Neu kaufen wollte ich auch nicht (der Preis…)  und ausserdem hätte ich ihn bestellen müssen und Geduld gehört ja bekanntlichermassen auch nicht grade zu meinen Stärken.

Und by the way-gibt es eigentlich irgendein System, wonach einem solche Fehler natürlich NUR bei einem wirklich teuren oder lang gehüteten Stoffschätzchen passieren? Oder passiert so etwas generell nur mir?

Also war Stückeln angesagt. Und dazwischen ’ne Paspel. Kann ich. Nur welche Farbe? Anthrazit? War mir zu dunkel. Hellgrau, passend zum Futter? War ganz ok, aber irgendwie auch langweilig. Ausserdem war es ne Reflektorpaspel, das fand‘ ich auch irgendwie unpassend. Gelb? Fand‘ ich im Laden den Knaller, zuhause dann aber viel zu grell.

Ok, dann also auch hier improvisiert und schnell noch die Paspel selbst gemacht. Wenn schon kompliziert, dann auch wenigstens richtig. Aber so farblich passend find ich’s richtig gut!
(vielleicht sollte ich das bei Merchant & Mills mal als Variante einreichen…)

Nachdem ich endlich alle 4 Taschenteile komplett hatte, ging der Rest dafür dann aber auch wirklich fix. Seitenteile zusammennähen, den Boden einsetzen und fertig sind die Taschenkörper. Jetzt noch schnell die Henkel genäht und die beiden seitlichen Ansatzstücke für die D-Ringe.

Die Außentasche bekommt oben auch noch einen Ansatzstreifen, der später nach innen geklappt und an dem das Futter festgenäht wird. Zum Schluss das Ganze einmal wenden (ääähhh …-Wendeöffnung nicht vergessen! Ich weiss nicht, wie oft ich an dieser Stelle schon getrennt habe!) und zum Schluss noch den Lederriemen an den D- Ringen befestigen.
Zack und fertig.

(Kleiner Tip noch: Man sollte sich wirklich vorher Gedanken über seinen Futterstoff machen. Es muss nämlich schon ein fester Canvas sein, wenn man ohne Einlage auskommen will. Denn das Oilskin für sich ist wirklich butterweich und bedingt durch die Größe fällt die Tasche sonst ziemlich schnell in sich zusammen, zumindest wenn man sie nicht voll beladen hat. Meinen ebenfalls sehr weichen Leinenstoff habe ich nachträglich noch mit DECOVIL LIGHT verstärkt. Damit hat sie jetzt wenigstens ein bisschen Stand und ich bin sehr happy so!)

 

Und wie schon gesagt, die Tasche ist extrem schlicht gehalten, was mir persönlich sehr gut gefällt.
Deswegen hat sie seitlich auch bloss einen kleinen Einnäher (#wasfürdie Seele) bekommen und zusammen mit der unfreiwilligen Paspelgeschichte am Boden find ich’s perfekt so!

Damit ist meine sonnengelbe gute-Laune-JackTar-Bag  wirklich zum perfekten Alltagsbegleiter geworden und wird mich hoffentlich durch einen langen und ganz wunderbaren Sommer begleiten. Egal ob zum Stadtbummel oder für die kurze Pause am Meer, zumindest die Tasche macht in allen Lebenslagen eine gute Figur! Und durch den simplen Schnitt und das  hochwertige Material sieht sie dabei auch noch extrem professionell und gar nicht selbstgenäht (finde ich!) aus, und das ist doch fast so was wie der Ritterschlag für jeden Hobbynäher, oder?

Für mich hat sie schon jetzt echtes Lieblingstaschenpotential und vielleicht brauche ich zum Herbst ja auch noch dringend eine in oliv. Oder vielleicht doch lieber dunkelblau? Wer weiß, und den nächsten Taschenschnitt hätte ich übrigens auch schon im Auge! Also stay tuned, denn natürlich werde ich sie Euch dann auch wieder hier präsentieren!

bis dahin, habt noch einen feinen Donnerstag, ich bin dann mal eben meine Tasche ausführen!
Vorher aber noch schnell ab damit zu RUMS und mal gucken, was Ihr so gezaubert habt.

 

liebe Grüße, Britta

 

 

 

8 Kommentare bei „Tasche mit Suchtfaktor: meine neue Jacktar-Bag!“

  1. supercool !!!
    den Schnitt habe ich auch, der Stoff kommt-mit dem Paspel sieht es toll aus, genau die richtige Entscheidung selber zu machen !!
    Eine tolle Variante,Danke fürs ausführliche Beschreiben und teilen

    1. Vielen Dank! Ich war ja in erster Linie nur auch nur froh, dass ich den Stoff retten konnte, aber manchmal entstehen aus der Not heraus eben auch die besten Ideen! Wünsche Dir viel Spaß beim Nähen und bin gespannt auf deine Variante 🙂
      und wie gesagt, ich muss vielleicht auch noch eine zweite nähen… liebe Grüsse & einen schönen Tag!

  2. Hui,
    die gefällt mir sehr! Hast du fein gemacht.

    Lieber Gruß aus Dänischenhagen
    Britta

    1. uuuiii, vielen Dank! Hat auch Spaß gemacht zu nähen, das Material ist einfach der Hammer! Hab‘ ein schönes (langes) Wochenende & liebe Grüße, Britta

  3. Ich finde deine ungewollt veränderte Version sehr schön!!
    Meine Zutaten liegen hier auch schon 😉

    Viele Grüße,
    Frau Mena.

    1. ja, ungeplant ist manchmal eben auch schön! wünsche Dir viel Spass beim Nähen, die Tasche ist einfach toll! Schöne Pfingsten und liebe Grüße von der Ostsee, Britta

  4. Hi Britta,
    sehr schön gerettet! Hier: https://bluecallapatterns.com/
    gibt’s kostenlose Taschenschnittmuster.
    Nachteil: alles selbst zusammenkaufen,
    Vorteil: Resteverwertung, Phantasie ausleben, Individualität genießen.
    Happy sewing
    Bee

    1. ah cool, die Seite kannte ich noch nicht! Da gehe ich mal gucken & eigentlich suche ich mir den Kram auch ganz gerne selbst zusammen. Das war hier echt eine Ausnahme, weil ich die Tasche unbedingt genauso nähen wollte! Liebe Grüße, Britta

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