ein Tag am Meer-oder warum (Insel)-liebe manchmal doch durch den Magen geht

Der Februar und ich sind ja normalerweise keine Freunde.
Kalt, grau, ungemütlich („usselig“ wie der Rheinländer sagen würde) und „echter“ Frühling lange noch nicht in Sicht.

Während der Dezember noch mit Vorweihnachtshygge und Plätzchenkoma punkten kann, der Januar einem wenigstens vorübergehend das erhebende Gefühl eines Neuanfangs und die ersten Tulpen des Jahres beschert, tut der Februar ja nun wirklich mal gar nichts für Einen, oder?

Ein Monat zum Auswandern irgendwie, aaaaaber -was soll ich sagen- in diesem Jahr hat er sich ja doch noch mal richtig ins Zeug gelegt, und auf die letzten Meter sogar noch für ein wenig Winterfeeling im Norden gesorgt.

Und was gibt’s Schöneres an einem sonnigen Wintertag als einen langen Spaziergang?
Genau-einen langen Spaziergang am Meer, und noch genauer einen langen Strandspaziergang auf der Lieblingsinsel!

Und genau dahin nehme ich Euch jetzt mit. Zumindest virtuell, quasi ein Kurzurlaub für die Augen.
Los geht’s auf eine meiner liebsten Winterrunden. Mit Belohnung am Ende, versprochen.
Denn die Insel und ich haben so rein kulinarisch gesehen ja auch noch ’ne Rechnung offen (warum, das könnt Ihr hier nachlesen) …

Wir starten in Kampen vorm Hotel Rungholt und von hier hat man schon mal den besten Blick: über Heidekraut und Dünen hinweg bei guter Sicht bis nach List, zur Linken die Nordsee und rechts das Wattenmeer. Früher konnte man noch direkt am Kliff entlang laufen, aus Gründen geht das seit einigen Jahren nicht mehr, stattdessen führt nun ein bequemer Holzsteg bis runter zur Sturmhaube und zum Strandübergang. Und wenn man oben am Kliff steht, der Brandung lauscht und die Spuren sieht, die das Wasser hier im Laufe der Zeit hinterlassen hat, versteht man sehr gut, warum Küstenschutz ein so wichtiges  Thema auf der Insel ist. Ich weiß nicht, wie oft ich schon hier gestanden habe, aber die Kraft (und potentielle Zerstörungsgewalt) des Wasser fasziniert mich immer wieder aufs Neue, lässt mich aber gleichzeitig auch immer ein wenig demütig zurück.

Aber egal, heute haben wir jedenfalls bestes Wetter, blauen Himmel, leichten Sonnenschein, ordentlich Wind von vorne (damit man hinterher auch weiß, was man getan hat) und -das Tollste- einen fast menschenleeren Strand!


So stapfen wir gen Norden, der Hund mit wehenden Ohren immer vorweg, die Sonne und ein glückliches Grinsen im Gesicht, bis die Nase läuft und die Wangen fast eingefroren sind.
Einkehren und Aufwärmen ist aber nicht-hier ist nämlich noch alles zu, die Saison beginnt auf Sylt traditionell erst wieder mit dem Biikebrennen am  21.  Februar.
Trotzdem biegen wir bei der Buhne 16 ab und zurück geht’s durch die fantastische Dünenlandschaft, bis wir wieder auf der ehemaligen Inselbahntrasse ankommen.

 


Wer mag (ich, immer!), macht noch einen kleinen Abstecher zum „kleinen Leuchtturm von Kampen“, wie er liebevoll genannt wird, oder „Quermarkenfeuer“, wie er korrekt heißt.

Jetzt aber schnell weiter, wir haben ja schließlich ein Ziel. Einmal die Hauptstrasse gequert, ein Stück durch Kampen und mal ein bisschen bei Reich & Schön geluschert. Das geht im Winter  ganz wunderbar, dann ist hier nämlich keiner.

(Darüber, was es mit einer Gegend macht, wenn ganze Ortschaften ausserhalb der Saison nahezu komplett ausgestorben sind, während auf der Seite „normaler“ Wohnraum dringend benötigt wird, muss man sicher mal gesondert nachdenken, das würde hier jetzt aber zu weit führen)

Gibt schon schöne Häuschen, dies hier fand ich zum Beispiel ganz zauberhaft:

Am Watt angekommen,  noch einmal den schönen Blick auf List genießen und dann geht’s langsam wieder gen Süden, bis endlich das verheißungsvolle Schild auftaucht und den Weg zur Kupferkanne weist. Für mich definitiv ein MUSS bei jedem Syltbesuch und die allerschönste Belohnung nach einer langen Wanderung. Und der leeren Insel sei Dank: wir finden sofort einen Tisch (und das ist hier fast wie ein Sechser im  Lotto!!!) und endlich gibt’s den heißersehnten Kirschstreuselkuchen, begleitet von einer schönen Schale Milchkaffee!
Ich schwör‘, im Laufe der Jahre hat WIRKLICH auch jeder andere Kuchen seine Chance bei mir bekommen, an den Kirschstreusel kommt aber leider KEINER ran! Sorry! Für mich grade Glück pur und der Beweis, warum Inselliebe manchmal eben doch durch den Magen geht.

 

Zurück schlendern wir durch den Ort, einmal Window-Shopping in der Whiskeygasse, praktischerweise hat auch hier kaum was auf und dann geht’s ab in die wohlverdiente Sauna.

Für mich eine perfekte Runde, denn ich mag Rundwege. Und noch lieber als Rundwege mag ich ja Rundwege mit Einkehrschwung. Aber wie gesagt, dieser hier ist tatsächlich am Schönsten im Winter, wenn’s leer ist und wer jetzt immer noch nicht müde ist, klettert noch einmal schnell hinauf auf die Uwe-Düne und geniesst den 360 Grad-Rundumblick! Syltliebe pur, ich sag’s Euch!

Das wars für heute, ich hoffe Eure Vitamin-Sea-Speicher sind wieder gut gefüllt und  wenn Ihr mögt, nehme ich Euch gerne mal wieder mal mit auf einen „Tag am Meer“!

 

und bis dahin, haltet durch, ich bin dann mal wieder Schneeschippen,

 

ahoi, Britta

 

 

 

7 Kommentare bei „ein Tag am Meer-oder warum (Insel)-liebe manchmal doch durch den Magen geht“

  1. Wie schön…Bilder mit echtem Syltfeeling und nun brauch ich unbedingt Kirschkuchen ? Ich sollte unbedingt mal wieder auf „die“ Insel!

    1. ja, unbedingt! Meer tut so gut, und Kirschkuchen auch! ganz liebe Grüße…

  2. Boah, wie gemein – ich fahre am Sonnabend nach Sylt und weiß jetzt schon, dass es für die Kupferkanne wieder nicht reichen wird (Arbeitstreffen…). ABER: meine Stiefmutter kocht nochmal Biike-Grünkohl für uns. Hurra!

    1. Grünkohl ist doch auch super.., und die Kupferkanne läuft Dir ja auch nicht weg ? hab‘s ganz schön & grüß‘ mir die Insel!

  3. Nimmst du mich mal mit? Ich liebe solche Spaziergänge!
    Liebe grüße vom Deich
    Claudia

    1. Jaaa! Wir machen mal einen Ausflug! Mit Kirschkuchen!

  4. Liebe Britta,

    von mir aus könnte ich heute den Koffer packen und ab nach Sylt.
    Nur schade, das es so weit bis zum Autozug ist.
    Ich hoffe, das wir in 2019 wieder auf Sylt sind. Dort kann ich meine Seele baumeln lassen und die Batterien aufladen.

    Liebe Grüße
    elke von elke.works

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