Summer of twentyone: mein Sommerrückblick

Zurück aus der Sommerpause oder back on track, wie man so schön sagt.

Ich gebe zu, geplant, war eine so lange Blogpause oder -abstinenz eigentlich nicht, sondern sie ist „einfach so passiert„. Und während ich am Anfang tatsächlich noch ein schlechtes Gewissen hatte (wtf – warum eigentlich?), hab‘ ich’s nachher einfach laufen lassen und aus der Not eine Tugend gemacht.

Aber hey, es war schließlich Sommer. Und was für einer – der Sommer 2021 war für uns tatsächlich ein bisschen wie der Sommer unseres Lebens. Der erste Sommer im eigenen (Schweden) -haus, von dem wir so lange geträumt hatten. Lange, warme & unbeschwerte Tage mit Freunden und Familie, die wir wirklich mit jeder Faser des Körpers genossen haben. Und die uns so sehr bestärkt haben in unserer Entscheidung.

Aber es gab auch einige zusätzliche Faktoren, die mich beschäftigt haben, bzw. die mich dieses ganze Social Media-Konstrukt haben ein wenig kritisch sehen lassen.
Ihr wisst, dass ich oft schreibe, was/wie ich denke. Allerdings fällt es mir zunehmend schwerer, den Spagat zwischen privat und persönlich hinzukriegen. Was poste ich, wieviel von mir gebe ich preis – ihr kennt das.
Das ist tatsächlich ein Thema, über das ich schon etwas länger nachdenke und welches mir dann aktuell noch einmal in aller Deutlichkeit gespiegelt wurde.
Und da gibt es tatsächlich einige Dinge, die ich für mich erstmal neu bewerten muss, und die mich in der Konsequenz aber eben auch davon abgehalten haben, einfach munter draufloszubloggen.

Ein anderer Punkt: und damit sind wir auch schon mitten im Thema: Sommer 2021 war aber auch nicht nur mein ganz persönliches happyland, sondern gleichzeitig auch eine Aneinanderreihung von (Natur-) Katastrophen, Schreckensmeldungen und sonstigen Tragödien. Ich gebe zu, ich habe mich fast ein wenig trotzig zurückgezogen in meine kleine Bullerbü-Schweden-heile Welt-Blase. Und trotzdem sind all diese Nachrichten natürlich NICHT spurlos an mir vorübergegangen, aber jede/r hat da eben seine eigenen Coping-Strategien.
Auf jeden Fall fühlte es sich für mich irgendwie weird an, einfach zur Tagesordnung überzugehen und munter weiter bunte Bildchen zu posten.

Vieles davon hat mich auch ein Stück weit sprach- bzw. fassungslos zurückgelassen. Sätze und Worte von Leuten, die sich anschicken unser Land regieren zu wollen, die groben Versäumnisse der Politik, die so viele Menschen das Leben kosten bzw. gekostet haben, der ruppige Ton in den sozialen Medien. Ihr merkt, ich bin immer noch am Sortieren und weiß auch, dass es vielen von Euch ähnlich geht.
Meine große Hoffnung ist jetzt, dass sich diese Ohnmacht, die ganze Wut und die Verzweiflung am 26. September auch tatsächlich umschlägt in ein klares Wahlergebnis für unsere und die Zukunft unserer Kinder.

#Olympische Spiele 2021

Bevor ich anfange: hier schreibt wohl wirklich der größte Olympiafan überhaupt. Von den ersten Minuten der Eröffnungsfeier bin ich normalerweise „hooked“, ich kann mich für Sportarten begeistern, die ich vorher nicht mal kannte, mit den Athleten mitfiebern und in jeder tragischen Situation so mitleiden, als ob ich selber mitten drin auf dem Spielfeld/dem Stadion/Schwimmbecken stecken würde.
Wie oft haben mir die olympischen Spiele schon langweilige oder verregnete Ferienwochen gerettet, während ich eifrig Hanuta-Sammelsticker in mein Album geklebt oder „Knibbelbilder“ (kennt die noch jemand???) aus den Kronkorken geknibbelt habe. Whitney Houstons “ One Moment in time“ sorgt bei mir heute noch für Gänsehaut, weil es untrennbar mit den Olympischen Spielen 1988 verbunden ist genauso wie „Reach out“ von Giorgio Moroder immer für Los Angeles 1984 stehen wird.
Aber diesmal war alles anders. Klar, eh schon ein Jahr verschoben, dann immer noch unter Corona-Bedingungen und unter fast vollständigem Ausschluss der Öffentlichkeit, während in Tokio die Fallzahlen immer weiter in die Höhe schnellten. Keine guten Voraussetzungen, und auch wenn es für die Sportler natürlich trotzdem das Größte war-bei mir ist der olympische Funke einfach nie wirklich übergesprungen.
Klar, es gab tolle Momente (so sind Lili und ich zu den glühendsten Fans der deutschen Tischtennisherren mutiert), aber es gab eben auch die Kehrseite der Medaille. Und die bittere Erkenntnis dass menschenverachtende Äußerungen und Rassismus nicht mal vor Olympia haltmachen, wo die Fairness doch angeblich über allem steht.

Was gut und extrem wichtig war: endlich wurde mal der mentale Druck öffentlich (!) thematisiert, unter dem viele der extrem erfolgreichen Sportler stehen. Die Erwartungen des Verbandes, der Sponsoren, der Öffentlichkeit nach ständig neuen Höchstleistungen. Hier noch eine Zehntel Sekunde schneller, da noch ein Stückchen höher/weiter/spektakulärer. Während sich um die körperliche Gesundheit eine ganze Phalanx um Experten kümmern, sieht es bei der geistigen Gesundheit doch eher mau aus. Wäre wünschenswert, wenn sich in dieser Richtung schnell etwas ändert, nur schade, dass dazu erst ein olympischer Eklat vonnöten war.

#gelesen, gesehen, gehört:

Gehört und gesehen eher wenig. Aber – wir haben auch die meiste Zeit draußen verbracht, dem Geschrei der Möwen gelauscht und uns auf das allabendliche Himmelsspektakel konzentriert.

Dafür hab‘ ich gelesen, und zwar richtig viel. Aber das gehört für mich zur Inbesitznahme eines Hauses bzw. eines Feriendomizils auch unbedingt dazu: erstmal überall kleine Bücher- bzw. Zeitschriftenstapel zu verteilen. Literarische Reviermarkierung-macht übrigens auch jedes hotelzimmer gleich ein Stüchen heimeliger.
Stellvertretend für viele andere möchte ich Euch diesmal ein Buch ganz besonders ans Herz legen und zwar „Die fernen Feuer“ von Amy Waldmann.
Das Buch spielt in Afghanistan und Protagonistin ist die junge US-Amerikanerin Parvin, die sich mit hohen idealistischen Zielen aufmacht in das Land ihrer Vorfahren, dabei aber sehr schnell einsehen muss, das der Wunsch, Gutes zu tun, nicht auch automatisch gut ist. Das Buch liegt hier schon etwas länger, und auch als ich jetzt anfing zu lesen, war noch nicht ersichtlich, welch dramatische Aktualität es plötzlich erhalten sollte. Ich hatte deswegen auch kurz überlegt, es erstmal beiseite zu legen, weil ich die Bilder aus dem Fernsehen einfach nicht zusammen gekriegt habe mit den Bildern in meinem Kopf. Hab‘ dann aber glücklicherweise doch weitergelesen: der spannend erzählte Roman macht einem nämlich in erschreckender Weise deutlich, dass der Prozess des Nation-Building nach unseren westlichen Wertvorstellungen in einer so traditionell verflochtenen Gesellschaft wie Afghanistan niemals funktionieren kann. Mich hat es sehr bewegt – und deswegen absolute Leseempfehlung!

Pünktlich zum September sind dann auch zwei neue Backbücher hier eingezogen. Danke schonmal vorab an den Thorbecke-Verlag für die Rezensionsexemplare – ich freue mich schon drauf, darin zu stöbern und die gemütliche Jahreszeit mit ein paar leckeren, neuen Rezepten einzuläuten.
Also stay tuned, aus beiden Büchern wird’s hier definitiv noch was Süßes für Euch etwas geben.

#gegessen

Ja, Mann! Gegessen haben wir natürlich auch. Reichlich und gut. Wir haben in großer Runde im Patio, unserer neuen „Outdoor-Cooking-Area“ gegrillt, Sundowner mit frisch geräucherten „Räkor“ (Garnelen) unten am Strand genossen und unzählige Zimt- und Kardamombullar auf dem Steg verdrückt.

Zum Schluss gab’s dann sogar noch ein kleines Krebsessen, das sogenannte „Kräftskiva„, das in Schweden traditionell Anfang August gefeiert wird. Zu diesem Anlass kommt man gerne nochmal in größerer, ausgelassener Runde auf dem Land und in den Sommarstugas zusammen, um das herannahende Ende des Sommers gebührend zu feiern.
„Ein Krebs, ein Schnaps“ – und dazwischen wird gesungen. So lautet das Motto, und ist definitiv ein Garant für einen (feucht-) fröhlichen Abend.

Gut, Krebse gab’s bei uns auch. Allerdings in kleiner Runde, ohne Schnaps und ohne Gesang.
Im nächsten Jahr hätte ich aber auch nichts gegen ein richtig schönes Fest. Ich glaub‘ ich üb‘ schon mal die Lieder und die passende Deko liegt auch schon parat.

Trotz akuter Faulheit haben es über den Sommer dann aber doch drei neue Rezepte auf den Blog geschafft:
Den Anfang hat ein köstlicher Rhabarber-Orangen-Sirup gemacht, der uns so manchen Sommerdrink im wahrsten Sinne des Wortes versüßt hat:

Sehr beliebt als schnelles Sommer-Mittag waren diese Lachs-Blätterteig-Schnittchen. Schnell gemacht und mindestens genauso schnell weggesnackt.
Aber glücklicherweise ein ganzjahrestaugliches Rezept: und deswegen kommen sie demnächst einfach mal wieder abends zum Wein auf den Tisch. Perfekt übrigens auch, um nette Gäste damit zu verwöhnen.

Zum Schluss gab’s Kuchen: Und zwar diesen unfassbar lecker-fluffigen Zitronen-Mohn-Kuchen mit Ricotta. Fruchtig, zitronig und durch Ricotta im Rührteig so richtig schön klitschig – der hat zumindest bei uns schon jetzt das Zeug zum neuen Lieblingskuchen!

Learning des Monats: „Einfach mal machen, könnte ja gut werden“

Vermutlich wird dieser Satz am Ende des Jahres auch als Learning des Jahres ganz oben auf der Liste stehen. Aber ich hab‘ manchmal das Gefühl, dass unsere Haus-Entscheidung so eine Art Initialzündung war.
Wer uns kennt, weiß, dass Entscheidungsfreude nicht grade zu unseren Kernkompetenzen zählt.
Aber plötzlich läuft es, und angefangen mit unserem Arbeitszimmer im Frühjahr, haben wir jetzt ratzfatz ein paar weitere Baustellen in Angriff genommen. UND was soll ich sagen – manche Sachen werden sogar gut, ohne dass man drölfmillionen Jahre drauf rumdenkt. Notiz an mich selber: weiter so!

#Sozialleben reloaded: Alles schon wieder beim Alten?

Zuallererst: wie schön, dass es endlich wieder ein Sozialleben gibt! Mich macht das jedenfalls sehr glücklich!!! (und ist auch schon mal drei Ausrufezeichen wert)
So haben wir im Sommer eine Konfirmation im größerem familiärem Rahmen feiern können, haben uns mit Freunden hier und in Schweden getroffen, konnten bei schlechtem Wetter auch spontan ins Wohnzimmer flüchten und sogar mal wieder auswärts Essengehen (was für ein Gamechanger … ich hab’s sooo genossen!) Die Unbeschwertheit kehrt zurück, ganz langsam zwar und trotzdem sind wir von „echter“ Normalität noch weit entfernt. Manche Dinge fühlen sich einfach nach wie vor komisch an: das unbeholfene Gefuchtel mit den Armen bei der Begrüßung zum Beispiel, wenn man nicht genau weiß, ob eine Umarmung schon wieder OK ist. Und wobei Ghettofaust auch schon mal aus Versehen im Gesicht des Gegenübers landen kann. Genauso wird bei uns, je nach Runde auch immer wieder neu verhandelt, ob eine gemeinsame Chips-Schüssel auf dem Tisch zumutbar ist, oder ob coronakonform portioniert wird. Aber ich find‘ das völlig ok: jede/r hat sein eigenes Tempo und muss die Situation für sich immer wieder neu einschätzen bzw. bewerten dürfen .
Von der gehofften Herdenimmunität sind wir ja wohl leider noch weit entfernt.
Auch ich merke, dass ich mich trotz doppelter Impfung noch längst nicht in allen Situationen wohl fühle. Zu viele Menschen auf zu engem Raum lösen bei mir aktuell noch eher Fluchtreflex aus, und ich bin mehr als gespannt, ob man das überhaupt jemals wieder zu 100 % ablegen kann. Oder ob wir Sozialkompetenz erst wieder ganz neu erlernen müssen.

#Hallo September: ein Ausblick

Auch wenn ich ihn am Liebsten festhalten würde: langsam aber sicher war’s dann wohl mit dem Sommer 2021. Was ich mir für den September wünsche? Da gibt es so Einiges :

  • ein paar schöne Spätsommertage im Norden: für uns geht’s Ende der Woche nochmal für ein paar Tage nach Schweden. Ein bisschen klar Schiff machen in Haus und Garten, und ein paar Sonnenstrahlen würd‘ ich da schon noch ganz gerne einsammeln. Zumal ich mir ganz fest vorgenommen habe, meine Tradition des „morgondopp“ wieder aufzunehmen. Morgens einmal ins Wasser zu springen, ist & bleibt einfach der beste Start in den Tag!
  • ein paar schöne Spätsommertage im Süden:
    ein bisschen vermessen vielleicht, aber schließlich fahre ich Endes Monats doch nochmal für ein paar Tage zum Wandern in die Berge, ins absolute Lieblingshotel. Und da darf das Wetter bitte auch gerne schön sein: trocken und mit Sonne im Gesicht wandert es sich einfach besser. Bisher hat es der Wettergott bei unseren Wanderurlauben jedenfalls immer sehr gut mit uns gemeint, und optimistisch wie ich bin, werd‘ ich Shorts & Badezeug auf jeden Fall einpacken. Aber wie auch immer, die Aussicht auf Sauna- und Wellness macht auch eine Wanderung im Regen gleich um Einiges erträglicher.
  • ein klares Wahlergebnis und eine hohe Wahlbeteiligung: Ich hoffe, dass möglichst viele Leute kapieren, was für ein Geschenk es ist, in einem demokratischen Land zu leben und seine Stimme in freien Wahlen abgeben zu dürfen. Gleichzeitig aber auch verstehen, dass für Proteste der Stimmzettel der falsche Ort ist.
  • dass die vierte Corona-Welle möglichst schnell gestoppt werden kann und so viele Menschen wie möglich die Chance ergreifen, sich doch noch impfen zu lassen. Meinetwegen sogar gegen die ureigene Überzeugung, aber aus Solidarität mit all denjenigen, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht selber schützen können. Ich denke da vor allem an die Kinder, die lange genug die Füße stillgehalten haben und auf so vieles verzichten mussten, damit die vulnerablen Gruppen bestmöglich geschützt werden konnten.

So weit, so gut. In groben Zügen seid Ihr jetzt wieder auf dem Laufenden, und wisst, was mich die letzten Wochen so umgetrieben hat. Und ich hoffe, dass ich mich jetzt hier auch mal wieder ein bisschen warm geschrieben habe und wir uns bald wieder lesen..

Bis dahin, bleibt gesund und munter und
habt’s hübsch,


Eure Britta


2 Kommentare bei „Summer of twentyone: mein Sommerrückblick“

  1. Ein sehr schöner Rückblick, liebe Britta! Dieses Kräftskiva würde ich auch zu gerne mal in Schweden miterleben, obwohl ich Krebse gar nicht so unbedingt mag. Aber ich mag diese schwedischen Feierlichkeiten. Ob nun zu Midsommar oder zum Lichterfest. Und zu viele Menschen verursachen bei mir auch Fluchtreflex. War eigentlich auch schon vor Corona so, hat sich dadurch aber nicht unbedingt verbessert ;). Hab einen wunderbaren September! LG, Nadine

    1. Hallo liebe Nadine, beim Kräftskiva geht es auch glaub‘ ich auch eher um die Geselligkeit. Und Midsommar wurde die letzten beiden Jahre ja leider auch nicht so richtig gefeiert: ich setze voll auf 2022! Mag diese traditionellen Festivitäten nämlich auch sehr gerne. Ich versuche grad meine Gesellschaftsfähigkeit wieder zu trainieren … in Schweden auf dem Land allerdings eher schwierig. Hab’s auch ganz schön! GlG von Britta

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