zwischen Trends und Traditionen: (m)ein Tag auf der Formland

Am Wochenenende war es wieder soweit, die FORMLAND in Herning hatte zum mittlerweile 71. Mal  (!) ihre Türen geöfnet und das hieß auch für mich wieder einen Tag lang einzutauchen in die Welt des dänischen Designs.

Kein leichtes Unterfangen, denn bei so vielen Ausstellern und 8 Hallen reichte es diesmal tatsächlich nur für einen groben Überblick.
Den haben wir allerdings aufs Feinste bekommen. Amalie loves Denmark  hat wieder eine tolle Tour für uns ausgearbeitet und selbst in der Kürze der Zeit gab es wieder spannende Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise der verschiedenen Firmen und die Geschichten hinter den Produkten.

Stichwort Nachhaltigkeit : auch ein großes Thema auch auf der FORMLAND

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, wie tief der Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile in den Köpfen vieler Aussteller verankert ist. Und das nicht erst seit der jüngsten Klimadebatte, sondern schon seit geraumer Zeit als fester Bestandteil der Firmenphilosophie. Was auf einer Konsumgütermesse ja nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Toll aber zu sehen, wieviel Gedanken sich darüber gemacht werden, WIE und WO Dinge produziert werden, WORAUS und vor allem, wie man bestehende Ressourcen nutzt und auch aus vermeintlichen Abfallprodukten immer wieder neue Dinge entwickelt.

Denn seien wir doch mal ehrlich: wir haben eigentlich von allem genug, und trotzdem  muss es manchmal einfach etwas Neues sein.
Schön zu wissen, dass es Produkte gibt, die sowohl mit dem ökologischen als auch dem sozialen Gewissen konform gehen.

REmake, REuse, RElove…

mit diesem Slogan wirbt das schöne Label Relove and Roses. Und das trifft es auf den Punkt. Ob Kerzenreste, die in Restaurants eingesammelt werden und ein zweites Leben als schicke Outdoorkerzen erhalten, alte Seidensaris, aus denen wunderschöne neue Textilprodukte entstehen, tolle, massive Glaswindlichter aus recyceltem Glas oder umweltbewusstes Putzen in hübsch: die Möglichkeiten sind vielfältig, zum Teil echt  innovativ und vor allem eins:  SCHÖN! Und auf dem besten Weg, zu neuen Lieblingsteilen zu werden.

Diese kuscheligen Decken von au maison  waren in ihrem ersten Leben übrigens mal eine ausrangierte Jacke. Und nur ein weiterer Beweis dafür, dass sich Nachhaltigkeit und Design auf gar keinen Fall ausschließen müssen.

Aber auch die Messe hat reagiert und eine der diesjährigen Sonderausstellungsflächen WE CARE beschäftigt sich mit genau diesem Thema.
Und nicht erst seit dieser Messe bin ich ja sowieso ein großer Fan dieser sogenannten TRENDZONES : das Studie Flyhelsted schafft es nämlich immer wieder,  über das reine Design hinaus extrem vielschichtige + spannungsgeladene Themenwelten zu erschaffen.

Ansonsten sind mir eigentlich keine bahnbrechend neuen Trends ins Auge gefallen (wenn man mal von den Trockenblumen absieht, die sich in allen Farben des Regenbogens durch die Messe geleuchtet haben).
Aber die braucht es in meinen Augen aber auch gar nicht immer.
Denn abgesehen davon, dass man das Rad ja sowieso nicht permanent neu erfinden kann, steht ja gerade dänisches bzw. skandinavisches Design auch für einen gewissen Grad an Zeitlosigkeit. „SOULPIECES“, aus schönen Materialien, mit einer Haptik, denen man ihren handwerklichen Ursprung auch ruhig ansehen darf und die einen durchs Leben begleiten. Auch das ist nämlich Nachhaltigkeit.

Oldie but Goldie: die Klassiker des dänischen Designs

So waren in diesem Jahr auch auffallend viele „Klassiker“ der dänischen Designszene vertreten wie z.B. Georg Jensen, Rosendahl Copenhagen oder Arne Jacobsen. Klassische Handwerkskunst gepaart mit edlem, zeitlosem Design und die Wertschätzung von schönen Dingen als Kontrast zu der Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit: Da kommt ein Revival dann eben auch nicht von ungefähr.
Besonders charmant: bei Kaj Bojesen konnte man dem Produzente ein wenig über die Schulter schauen und den Herstellungsprozess der kleinen Äffchen  sogar live verfolgen.

Schwarz ist eine Farbe oder meine Messelieblinge

Nachfolgend jetzt noch mal einige meiner Messehighlights.
Früher undenkbar, da konnte es bei mir nämlich nicht bunt genug zugehen, begeistert mich schwarz als Wohnfarbe immer mehr. Und ich bin ernsthaft am Überlegen, WO ich denn hier noch eine schwarze Wand unterbringen könnte.
Wunderschönes (schwarzes) Geschirr, das ich mir auch auf meinem Tisch ganz prima vorstellen könnte, gab es unter anderem bei Knabstrup Keramik (superedel + schick) , bei Louise Smaerup (einer meiner Lieblingsstände!) oder bei Eva Solo (die wie immer traumhaft gedeckte Tische hatten).

Ein weiteres  Highlight sind für mich auf jeder Formland definitiv immer die „SELECTED BY…“-Areas, in der verschiedene Designer ihre jeweiligen Messelieblinge in einer realistischen Wohnsituation präsentieren.

Dies hier ist z.B. die Auswahl von Allan Torp, der unter Bungalow 5 sehr erfolgreich über Design und Interior bloggt.
Und mal echt jetzt: ist das nicht ein Traum von einem Arbeitszimmer? Das dürfte 1 zu 1 so bei mir  einziehen. Angefangen bei Schreibtisch & Lampe, dem Druck von papercollective bis hin zu meinen Lieblingskörben von lilleröd und der rosafarbenen Vase: da findet sich das eine oder andere Teil definitv auch auf meinem ganz persönlichen Wunschzettel wieder!
Und nur gut, dass mein Arbeitszimmer der nächste Raum im Haus ist, der dringend nach einem kleinen Make-Over verlangt. Nur soviel vorab: Es könnte eventuell Spuren von Schwarz enthalten.

Traditionelles Handwerk war auch auf den letzten Messen schon ein großes Thema, vor allem der Bereich Keramik. Erstmalig auf der Messe dabei und gleich ausgezeichnet als „product of the year“ wurde diese schöne Geschirrserie von Julie Damhus: Mir gefällt es auch extrem gut.

Achja, Korb und Rattan und alles was damit zu tun hat: Auch immer eins meiner Lieblingsthemen und nach wie vor sehr aktuell, weil ein schnell nachwachsender Rohstoff.
Vor allem diese Lampen von Liv Interior , die so herrlich an lange Strandspaziergänge  erinnern und einen quasi das Salz auf den Lippen spüren lassen, haben es mir echt angetan:

Nachdem wir uns die Füße schon ein wenig rund gelaufen hatten, durfte natürlich auch die obligatorische Runde durch die Foodhalle nicht fehlen. Kleine Stärkungen zwischendurch natürlich inklusive und man munkelt, es gab sogar Alkohol!

Eine tolle Neuentdeckung waren für mich hier die Gewürze der schwedischen Firma Epic Spice   Vielseitig einsetzbar (immer gut!), ob mit Öl als Marinade oder mit Joghurt als leckerer Dip oder ganz einfach nur so zum Würzen. Tolle Geschmacksrichtungen, von klassisch bis exotisch, von mild bis extraspicy, und dabei auch noch extrem hübsch verpackt. Das haben die Skandinavier eben einfach drauf.

Soweit also meine Messeeindrücke,
Wer mehr sehen möchte – guckt gerne auch mal in Messeposts meiner lieben Bloggerkolleginnen Ute aka Schneiderherz und Claudia aka Reetselig.
Ich find’s ja immer höchst spannend, wie jede(r) von uns die Messe unter einem anderen Fokus betrachtet.

Ich habe auf jeden Fall wieder superviel an Inspiration mitgenommen und es juckt mich auch schon in den Fingern, hier das eine oder andere zu verändern. Aber auch vieles was mich zum Nachdenken angeregt hat.
Nur quietschbunte Trockenblumen werdet Ihr bei mir in diesem Leben wahrscheinlich nicht finden.

In diesem Sinne, habt’s hübsch (bunt)

 

 

Britta

4 Kommentare bei „zwischen Trends und Traditionen: (m)ein Tag auf der Formland“

  1. Herrlich Britta! Man könnte meinen, wir hätten beim Schreiben nebeneinander gesessen 😉
    Wunderbar geschrieben. Mir war auch noch so vieles eingefallen und mir gefällt, dass du die Nachhaltigkeit so aufgegriffen hast. Das fand ich auch wirklich spannend.
    Schwarz ist wirklich schön. Ich habe immerhin schon eine dunkel blaue Wand geschafft. Für mehr Pigmente hatte es nicht gereicht 😉 Und mit 18 hatte ich einen schwarzen Teppich in meinem weiß-schwarzen Zimmer. Es kommt alles immer wieder. …auch bunte Trockenblumen.
    Kram Claudia

    1. stimmt, ich erinnere mich. Gab’s bei meinen Eltern damals auch. Die hiessen Strohblumen… aber man muss ja auch nicht jeden Trend mitmachen, oder? Obwohl vom Nachhaltigkeitsgedanken Trockenblumen natürlich deutlich besser sind… Ja, mir würde auch noch vieles mehr einfallen, aner lustig, dass man manchmal auch auf die gleichen Sachen abfährt und andere gar nicht wahrnimmt, oder? Hab‘ noch einen schönen Tag, Britta

  2. Liebe Britta,
    vielen Dank für deinen Blogpost. Wie so oft, sind dir die Dinge ins Auge gefallen, die auch meinem Geschmack entsprechen. Das Geschirr von Louise Smærup, schlichte Trockenblumen und die Keramik von Julia Damhus… und vielleicht die neue Sandfarbe von Stelton? Für das Arbeitszimmer mit den Körben von Allan? Die können also alles gleich mindestens doppelt produzieren!
    Bis zum nächsten Mal

    Amalie

    1. ohja, Stelton ist immer toll und ich mag wirklich fast alle Farben! Und bei Körben bin ich auch immer gerne dabei, bei Keramik sowieso und für Schwarzes Geschirr würd‘ ich grade alles geben!
      Hab‘ ein schönes Wochenende und ich freu‘ mich auf die nächste gemeinsame Formland!
      Bis bald & liebe Grüße, Britta

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